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Home-Page Kurz Geschichten Am Treffpunkt
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Am Treffpunkt

Viele Menschen drängten sich über den Treffpunkt-Platz des Bahnhofes. Sie wirkten wie farbige Ameisen. Ihre lauten, fröhlichen Stimmen drangen an die Ohren einer jungen Frau. Sie stand vor einer Säule und schaute amüsiert dem Treiben der Menschen in der Bahnhofhalle zu. Sie rückte ihre Kleider zurecht und sah auf die grosse schwarz-weisse Uhr, die neben der riesigen, extravaganten Werbung tickte. Diese zeigte bereits Zehn nach Sieben. Ihre Kollegin hatte sich etwas verspätet. Ein Piepston liess die junge Frau aus ihren Träumen erwachen. Ein SMS war auf ihr Handy gesendet worden und jetzt wusste sie, dass ihre Kollegin erst in etwa 20 Minuten eintreffen würde. Die Wartende schob ihr Handy zurück in ihren kleinen Lederrucksack und versank erneut in ihre Träume, die sie irgendwo ans blau-grüne Meer führte.....

Was war das plötzlich? Irgendetwas hatte sie in die lebendige Bahnhofhalle zurückgeholt. Ihre Kollegin war noch nicht da. Aber irgendetwas hatte ihre Aufmerksamkeit erweckt. Sie sah sich um und horchte genauer hin. Ein durchdringender Laut drang an ihre Ohren. Sie versuchte auszumachen, aus welcher Richtung dieser Laut kam, der nicht so recht hier hin passte. Aber er hob sich deutlich von den andern Geräuschen und Stimmen ab. Dann dachte sie für kurze Zeit daran, dass sie wohl ein Baby schreien gehört hatte. Doch sofort verwarf die junge Frau den Gedanken wieder. Denn dieser Laut erinnerte sie eher an einen ihrer Vierbeiner zu Hause. Nämlich an ihre rot-weissen Katzen. Sie entdeckte nun auch, dass dieser Laut, den sie als Miauen identifiziert hatte, ganz in der Nähe, von ihr zu hören war. Dieses Miauen wurde nun lauter und kläglicher. Sie liess ihre besorgten Blicke in der unmittelbaren Nähe intensiv über den Boden schweifen. Ihr Herz, das sie auch bereits schon in der Kindheit, an Katzen verschenkt hatte, wurde nun besorgt berührt. Ihr erstaunter Blick blieb an einer grossen Kartonschachtel, welche zwei sehr kleine Löcher auf der einen Seite hatte, hängen. Beim genaueren hinschauen entdeckte die junge Frau neben der Schachtel eine Reisetasche. Es schien, als hätte jemand sein Reisegebäck abgestellt und sei rasch etwas holen gegangen. Doch die Person schien nicht mehr zurück zukehren und das Miauen wurde kläglicher. Die Wartende war bereits näher getreten. Nicht nur sie, sondern bereits eine ältere Dame, die sich auch für das arme Geschöpf interessierte. Sie schüttelte den Kopf und auf ihrer Stirne bildeten sich starke Falten, die darauf deuteten, dass sie sich fragte, was es mit dieser Katze wohl  zu bedeuten hatte. Die junge Frau und die ältere Dame sahen sich fragend und zugleich besorgt an. Sie waren unsicher, was zu tun war. Ihre Blicke schweiften immer wieder hinüber zum nahen gelegenen Kiosk. Weil sie beide dachten, der Besitzer der Schachtel und der Reisetasche, sei nur schnell etwas am Kiosk kaufen gegangen  Sollte man die Polizei rufen oder ging das niemanden etwas an. Doch scheinbar musste man handeln, schliesslich ging es hier um ein Lebewesen.

Die junge Frau sah sich erneut um, in der Hoffnung, es würde endlich jemand kommen und  das jammernde Tier mitnehmen. Wobei sie daran zweifelte, dass je jemand kommen würde um das Tier nach Hause zu holen. Das Miauen wurde intensiver und kläglicher. Die beiden Frauen konnten sogar ein Kratzen an den Innenwänden der Kartonschachtel wahrnehmen. Die junge Frau und die ältere Dame wurden von Minute zu Minute besorgter. Die junge Frau war näher hin getreten, um sich die Schachtel näher zu betrachten. Das Kratzen wurde lauter und kräftiger. Ihr ging sogar der Gedanken durch den Kopf, es könnte sich um eine Wildkatze handeln. Denn die Bewegungen, die im Innern der grossen Kartonschachtel wahr zunehmen waren, schienen nicht von einem zarten Katzengeschöpf zu sein. Doch das Miauen gehörte eindeutig einer wehrlosen, einsamen Katze. Doch sie verwarf  alle ihre verschiedenen Gedanken sofort wieder. Als jedoch  ein dazu getretener  Mann darauf aufmerksam machte, dass die Schachtel möglicherweise keinen Boden aufwies, wurde die junge Frau stutzig. Der Wunsch wurde endgültig wach in ihr, herauszufinden, was sich in dieser mysteriösen Schachtel befand, welches Geschöpf diese kläglichen Laute ausstiess. Da die ältere Dame und der dazu getretene Mann ebenso neugierig waren, beschlossen die drei Menschen das Geheimnis zu lüften. Sie sahen sich fragend an und viele Gedanken schwirrten durch ihren Kopf. Auch die verschiedensten Gefühle. Nicht nur Neugierde, sondern auch ein zarter Hauch von Sorge, was Geheimnisvolles zum Vorschein kommen würde. Jedenfalls fingen ihre  Herzen schneller an zu schlagen, als sie ihre Hände auf den oberen Teil der Schachtel legten. Langsam fassten ihre warmen Hände den Karton. Inzwischen hatten die Schachtel und das laute Miauen noch ein paar andere Menschen angezogen. Die Zuschauer hatten sich in einem Halbkreis  um das Schauobjekt aufgestellt, als würden sie einen Gaukler bei seiner sehenswerten Darbietung beobachten. Die junge Frau, die ältere Dame und der etwas später dazugekommene Mann, waren nun daran das Geheimnis des schreienden Tieres zu lüften. Langsam und ohne grossen Kraftaufwand hoben sie die Schachtel hoch. Es war tatsächlich so, dass die Schachtel keinen Boden hatte. Die junge Frau staunte, als zuerst etwas Hellblaues sichtbar wurde. Es erinnerte sie schwer an Jeanshosen. Als die drei Personen die Schachtel noch etwas höher  zogen, verstummte das Miauen und tatsächlich sah man braune Haare, die jedoch nicht einem Tier gehörten. Ein leises lacht drang an die Ohren der Neugierigen. Die Schachtel wurde endgültig entfernt und die Menschen konnten das Geschöpf, welches sie für eine ausgesetzte Katze hielten, näher betrachten. Es hatte nur zwei Beine und lachte nun laut und herzlich. Das Lachen gehörte einem etwa 16 jährigen Jungen. Er stand auf  und sagte schmunzelnd: „Versteckte Kamera! Da oben können sie meinen Schulkollegen sehen, der die Szene in Bild und Ton gesetzt hat, für unser Schulprojekt. Ich danke ihnen für ihre Mitarbeit.“ Die erstaunten Gesichter der Zuschauer verzogen sich sofort zu einem Lächeln. Alle sahen hinauf in die zweite Etage des Bahnhofes, wo sie einen jungen Burschen mit einer Kamera, weitere Schüler und einen Lehrer entdecken konnten. Diese winkten ihnen  schmunzelnd zu. Die junge Frau musste den jungen Burschen loben, für seine Stimmimitation. Denn sie, als Katzennärrin, war voll und ganz darauf herein gefallen. Da die miauenden Laute, sie so sehr an ihre Katzen erinnert hatten.

Nun war ihre verspätete Kollegin endlich gekommen und die wartende junge Frau wusste genau, was ihr erstes Gesprächsthema, beim feinen Cappuccino, sein würde und sie lächelte dabei.

©Susanne Burki

Aktualisiert ( Sonntag, den 11. Oktober 2009 um 12:33 Uhr )  


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