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Katzenhärchen im Tram

‘Ding Dong,“ das Tram musste sich bemerkbar machen, damit die Passanten auf die Seite gingen. Täglich fuhr das 5-er Tram seine Strecke. Es ratterte über die Schienen. An jeder Haltestelle stiegen die verschiedensten Personen ein und aus. Der Tramführer beobachtete im Rückspiegel die verschiedenen Menschen. Der junge Tramführer sprach immer ein paar nette Worte durch sein Mikrofon. Je nach Tageszeit tönte es so: „Guete Morge liebi Fahrgäst, ig fahre euch gärn is Glück, äh ig meine a eues Ziel. Wünsche ä gueti Fahrt und ä wunderschöne Tag.“ „Guete Obe liebi Fahrgäst.Ig hoffe, dir heit ä guete Tag gha. Ig wünsche euch ä erholsame Obe und ig freui mi euch morn au wieder i däm Tram z träffe.“

Eines Abends als der Tramführer Marc sein “Fehikel“ ins Depot fuhr, machte er wie jedes mal einen Rundgang durch das Tram. Er suchte nach zurückgelassenen Gegenständen. Zuhinderst am Boden sah er etwas liegen. Er hob es auf und bemerkte, dass es sich um ein Büschel Katzenhaar handelte. Er lächelte: „Auä wieder äs Grossmuetti, wo sis Busi im Tram transportiert het." Da der Tramführer Marc die ganze Woche Spätdienst hatte musste er immer eines der 5-er Tram ins Depot fahren. Jeden Abend nun entdeckte er Katzenhaare am selben Platz. Er konnte sich nicht erinnern, dass jemand mit einer Katze eingestiegen war. Er lächelte und er hätte gerne gewusst, woher die Haare stammten.

Eines Abends ging er nach hinten im Tram und statt nur ein paar Härchen, lag da ein ganzer Haufen Haar, der zu atmen schien. “Aha, zu dir gehören also die Haare.“ Meinte Marc zu dem haarigen Fahrgast. Die Katze hob ihren Kopf und blinzelte den jungen Mann verschlafen an. Marc versuchte sie zu streicheln, doch sie huschte ab, blieb jedoch auf dem Trittbrett stehen und sie schaute ihn mit ihren Grossen Augen an. Marc versuchte sie zu locken. Langsam kam sie wieder zurück. Er konnte sie berühren. Sie maunzte, während er sie kraulte.

Die Woche darauf hatte Marc Frühdienst. Als er das Depot betrat, sah er, dass ihn jemand erwartete. Die wunderschöne Katze blinzelte ihn an. Er kraulte sie und stieg auf den Führersitz. Sie folgte ihm. Er hob sie auf das Armaturenbrett. Dort setze sie sich malerisch hin. Und sie wollte sich nicht mehr der Stelle rühren. Also nahm er sie mit. Sie genoss die Fahrt und natürlich auch die vielen Streicheleinheiten der Fahrgäste. Von jenem Tag an, fuhr sie immer mit. Bei einer bestimmten Haltestelle stieg sie aus und spät am Abend stieg sie wieder ein, es schien, als würde sie jemanden besuchen gehen. Sie drückte ihre Nase an die Fensterscheibe und beobachtete das Geschehen auf den Strassen. Ihr weisses Fell glitzerte in der Morgensonne. Mit der Zeit kannte sie die Fahrgäste. Sie wusste scheinbar wo sie ausstiegen, den kurz vor den Stationen blickte sie einer der Fahrgäste durchdringend an und miaute. Es gab auch Fahrgäste, die fanden nicht so gefallen am Tram-Büsi.

Es waren natürlich die Hunde, aber auch Menschen. Stieg ein Hund ein, musste sich die Katze verstecken. Zitternd wartete sie, bis der knurrende Hund das Tram verlassen hatte. Marc taufte die Tram-Katze auf "Trämli". Sie liess kaum einen Tag aussen, wo sie nicht im Tram erschien.

Eines Abends jedoch stieg sie nicht ein. Der Tram-Führer war sehr verwundert. Bevor er die Station verliess, rief er einige male nach ihr, doch vergebens. Wahrscheinlich würde sie das nächste Tram nehmen. Marc klingelte, um ohne Behinderung weiter zu fahren. Er studierte über Trämli nach., die nun schon beinahe fünf Jahre mit fuhr. Warum war sie heute nicht zurückgekehrt. Als Trämli am anderen Tag darauf wieder nicht erschien, stieg Marc an der Station aus.Nachdem er den Fahrgästen erklärt hatte er komme gleich wieder, er müsse eine wichtig Mission erfüllen. Diese waren sehr überrascht von diesem aussergewöhnlichen Akt. Marc hatte „Trämli“ oft beobachtet, welche Richtung sie eingeschlagen hatte. Er rief nach ihr und klingelte bei einigen Wohnungen und fragte nach der weissen Katze. Er hatte sein Tram und den Fahrdienst total vergessen. Der junge Mann hatte nur ein Ziel: er wollte „Trämli“ finden.

Inzwischen war der Fahrdienst und die Polizei alarmiert worden, da ein Tram ohne Führer auf der Strasse stand. Marc ging von einer Türe zu andern. Er wollte schon beinahe aufgeben, als er etwas zart miauen hörte. Er ging dem Miauen nach und fand in einem Schopf sechs kleine schwarz-weisse Geschöpfe, die auf einem grösseren weissen Geschöpf herum stiegen.“ Trämli“ da bist du ja. Die Katze sah ihn an, als wollte sie sagen, schau, deshalb bin ich nicht gekommen. Marc wagte weder die Jungen noch die Mutter zu berühren. Er freute sich über die Katzenfamilie. Nun erinnerte er sich wieder an sein Tram. Er seufzte und verabschiedete sich von den Katzen. Als er zu seinem Tram zurückkehren wollte, war dieses nicht mehr da, aber viele Menschen erwarteten ihn. Sein Chef des Fahrdienstes und die Polizei empfingen ihn. Die Herren fragten ihn nach dem Grund seines Verschwindens. Marc erzählte ein wenig verlegen: „ Ig ha mi wiessi Tram-Chatz gsuecht. Sie isch jede Tag mitgfahre,usser gester und hüt nit. Hamer do Sorge gmacht. Ig ha se aber gfunge. Sie hätt nämlech imene Schopf Jungi uf d Wäut brocht.“ Natürlich lächelten alle zuerst über seine Erzählung. Doch dann wurden ihre Gesichter ernster.“ Dir heit mit äre Straf z rächne und eventuell mit äre Kündigung. Sit ere eigentlech näbte Schueh. Eifach drvo z loufe, wägeme Busi.“ Erklärte ihm der Dienstchef. Marc runzelte seine Stirne und wurde ganz verlegen. Was hatte er getan? Er hatte sein Tram alleine gelassen. Oh Gott! Er begab sich aufgeregt mit seinem Chef in die Dienstzentrale. Er hatte gegen die Gesetze und Pflichten, die ein Tramführer, einhalten musste, verstossen. Marc wusste noch nicht genau was ihm blühen würde, darüber wurde natürlich verhandelt In den drauffolgenden Tagen trafen viele Briefe ein, deren Inhalt den jungen Tramführer verteidigten. Es gab sogar Fahrgäste, die persönlich in der Dienstzentrale vorbeikamen, um sich für den sympathischen Tramführer einzusetzen. Da Marc vom Dienst vorübergehend dispensiert war, hatte er Zeit „Trämli“ und ihre Jungen zu besuchen. Auch die Dame, welcher der Katzenvater gehörte, hatte Marc kennen gelernt und somit auch vom Vorfall vernommen.. Auch sie hatte sich sofort für Marc eingesetzt. Einige Wochen darauf erhielt Marc den Entscheid, dass er wieder fahren durfte. Drei Monate später fuhr er wieder die selbe Strecke und mit ihm wieder „Trämli.“ Die beide waren einfach ein Team. Und wenn „Trämli“ nicht gestorben ist, kann sie uns vielleicht heute noch im Tram begleiten.....

© Susanne Burki

Aktualisiert ( Sonntag, den 11. Oktober 2009 um 12:34 Uhr )  


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